Allianz Global Investors Deutschland 17.05.2012 13:20

Die Treiber für negative Realzinsen

Sowohl die Politik des billigen Geldes in den Industriestaaten als auch strukturelle inflationär wirkende Treiber dürften die Realzinsen niedrig bzw. sogar negativ belassen. Die wichtigsten Treiber und ihre Folgen für die Kapitalmärkte stellen wir Ihnen hier kurz und knapp gegenüber.

 

Politik des billigen Geldes in den Industriestaaten

Die Politik des billigen Geldes zählt nach wie vor zu den wichtigsten Maßnahmen gegen eine lang anhaltende, weltweite Rezession. Auch wenn der geldpolitische Impuls in den Industriestaaten über die Kreditvergabe in der Wirtschaft derzeit nur gedämpft ankommt, ist das Geld- und Kreditschöpfungspotenzial hoch. Bei einer Stabilisierung der Konjunktur könnte dies zu inflationären Tendenzen führen, zumal die Gefahr von Zweitrundeneffekten über steigende Inflationserwartungen bei den Marktteilnehmern - die Inflationserwartung ist eine kritische Maßzahl bei der geldpolitischen Steuerung - ebenso gegeben wäre.
Steigende Staatsschulden

Im Zuge der Finanzkrise sind die Staatsverschuldungen der Industriestaaten - im Gegensatz zu denen der Schwellenländer - deutlich gestiegen. Viele Marktteilnehmer, wie z. B. der IWF-Chefökonom Olivier Blanchard oder Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman, betrachten eine bewusste Inflationierung der Wirtschaft bei gleichzeitig niedrigen (Real-)Zinsen als ein probates Mittel der Staaten, ihre reale Verschuldung abzubauen. Allerdings wären die negativen Begleiterscheinungen einer hohen Inflation u. a.: steigende Zinsen bzw. Refinanzierungskosten, die Fehlallokation von Kapital und eine Geldentwertung der Sparvermögen. Nichtsdestotrotz könnte im Zuge steigender Staatsschulden die Inflationserwartungen des Marktes steigen, was eine selbsterfüllende Prophezeiung nach sich ziehen kann.
Aufholprozess der Schwellenländer

Der Aufholprozess der Schwellenländer mündet in einen strukturellen Wachstumsschub, der dazu führen sollte, dass sich die Schwellenländer vom Exporteur einer Deflation zum Exporteur einer Inflation entwickeln. So betrug die durchschnittliche Inflation der BRIC-Staaten im November 2011 ca. 7 %.
Knappe Ressourcen

Dieses Wohlstandswachstum dürfte nicht nur über steigende Löhne zu höheren Konsumentenpreisen in den aufstrebenden Staaten führen, sondern sollte gleichzeitig die Erhöhung der Rohstoffpreise weiter fördern. So trifft die steigende Rohstoffnachfrage auf immer knapper werdende Ressourcen, so dass die (Rohstoff-)Preiseffekte über die Wertschöpfungskette auch global weiterwirken dürften.

Allerdings werden die hier beschriebenen strukturellen Treiber von der unerwarteten Zuspitzung der EU-Schuldenkrise und den aktuellen zyklischen Risiken überlagert. Denn im Zuge des Schuldenabbaus von Staaten sowie Konsumenten (v. a. in den USA) und der Restrukturierung der Bankbilanzen dürfte das zukünftige Wachstumspotenzial verringert und der inflationär wirkende Lohnkosten- und Nachfragedruck in den Industriestaaten begrenzt bleiben.

 

Doch was tun als Anleger in einem Umfeld, das von großer Unsicherheit und einer wohl längeren Periode negativer Realzinsen geprägt ist? Welche Risiken können sich für Sie als Anleger ergeben? Mehr erfahren Sie hier:

 

Kaufkraftverluste und Kursrisiken bei Inflation