Allianz Global Investors Deutschland 17.05.2012 12:17

Das aktuelle Marktumfeld als Herausforderung

Betrachtet man die aktuelle Situation an den weltweiten Finanz- und Kapitalmärkten, so ähnelt diese sinnbildhaft einer Wasserfolter, denn Anleger sehen sich regelmäßig mit negativen Nachrichten und Entwicklungen konfrontiert. Dabei dominieren die Verschuldungskrise und deren Auswirkungen derzeit das Geschehen. Die makroökonomische Situation und das Kapitalmarktumfeld haben sich abrupt massiv verschlechtert. Die Politik ist zum wichtigsten Finanzmarkt-Akteur avanciert.

 

Im Zuge dieser Entwicklung (Ende Juli bis Mitte September) sind die Kurse Europäischer Aktien von ihrem Hochpunkt um mehr als 30% im Tief gefallen während sich die Renditen für 10-jährige Bundesanleihen auf im Tief nur noch knapp über 1.60% ermäßigt haben. Die Volatilitäten sind gleichzeitig stark angestiegen. So stieg der VSTOXX, d.h. der Volatilitätsindex der die implizite Volatilität von Optionen auf den EuroStoxx 50 mit 30 Tagen Restlaufzeit repräsentiert, wieder auf Werte um die 50% während er in der ersten Jahreshälfte nahe seines Normalniveaus (langfristiger Durchschnitt) von um die 20% notiert hat. Ein Wert von 50% impliziert eines Tagesschwankung im EuroStoxx50 von etwas mehr als 3%. Nach den jüngsten Beschlüssen in Brüssel hat sich die Lage zumindest kurzfristig wieder etwas erholt.

 

Das skizzierte Kapitalmarktumfeld stellt Investoren vor erhebliche Herausforderungen. Während sich die Renditen für "sichere" Anlagen deutlich reduziert haben, gilt das nicht für die Anforderungen aus den Verbindlichkeiten. So bewegen sich die zu erreichenden Zielrenditen weiter im Bereich zwischen 4%-6% p.a.. Diese Situation veranschaulicht die nachfolgende Abbildung. Während Investoren bis Ende der 90er Jahre mit sicheren Anleihen ihre Verbindlichkeiten bedecken konnten und zusätzlich noch einen Risikopuffer für die Anlage in riskantere Titel hatten (Möglichkeit zur Rentensubstitution) sind Anleger aktuell gezwungen in höherrentierliche Anlagen wie z.B. Corporate Bonds, Emerging Markets Anleihen oder Aktien anzulegen wollen Sie nicht Gefahr laufen sicher ihr Ziel zu verfehlen (Zwang zur Rentensubstitution).

REX10-Renditen über den Zeitraum 01/1967 - 09/2011

 

Quelle: Bloomberg; REX10-Renditen über den Zeitraum 01/1967 – 09/2011

Somit ergeben sich für den Investor im Herbst 2011 folgende Handlungs- und Entscheidungsfelder:

  1. Welche Anlagen sind noch sicher?
  2. Welche Anlagen versprechen noch attraktive Renditen?
  3. Wie sieht eine optimale Diversifikation aus?
  4. Und: Wie lassen sich Risiken begrenzen ohne die Rendite substaniell zu schmälern?

 

Die Felder 1-3 betreffen die Strategische Asset Allokation, der letzte Punkt betrifft das Risikomanagement. Gerade letzterem kommt im aktuellen Marktumfeld eine Schlüsselrolle zu.

 

Exemplarisch zeigt die nachfolgende Abbildung ein Universum an Anlageklassen, unterteilt in verschiedene Risikokategorien, wie wir es derzeit im Rahmen einer Strategischen Asset Allokation vorsehen würden. In der defensiven Kategorie wurde hier insbesondere auf eine sehr hohe Kreditqualität geachtet, während in der Kategorie "Ausgewogen" und "Chance" die Erzielung von attraktiven Erträgen im Vordergrund steht. Der Verschiebung der wirtschaftlichen Kraftverhältnisse weg von den entwickelten Ländern hin zu den Schwellenländern wurde bei der Auswahl der Anlageklassen entsprechend Rechnung getragen.

Quelle: risklab

 

Quelle: risklab

Im Rahmen einer robusten Portfoliooptimierung leiten wir eine Strategische Asset Allokation ab die auf einen 5-Jahres Horizont eine Zielrendite von 4.25% anstrebt. Die optimierte Allokation ist in nachfolgendem Schaubild zu sehen. Wie die Abbildung zeigt liegt das Verlustpotenzial dieser Allokation auf Jahresbasis gemesssen als Conditional Value at Risk 95% bei -6.62%. Eine einfache Vergleichsallokation bestehend aus 75% deutschen Anleihen und 25% Aktien Welt würde bei leicht höheren Risiko nur auf eine Renditeerwartung von 3.51% kommen. Insofern ist der Mehrwert der besseren Diversifikation klar zu erkennen.

Quelle: risklab. Ergebnis einer robusten Portfoliooptimierung auf Basis einer zukunftsgerichteten Simulation mit dem risklab Economic Scenario Generator per Anfang September 2011.

 

Quelle: risklab. Ergebnis einer robusten Portfoliooptimierung auf Basis einer zukunftsgerichteten Simulation mit dem risklab Economic Scenario Generator per Anfang September 2011.

Die Substitution von "sicheren" Renten durch die vorgenannten Anlageklassen hat auch wichtige Implikationen für das Risikomanagement. Wahrend deutsche Staatsanleihen regelmäßig von extremen Krisenphasen profitieren (siehe 2008, Japankrise, Eurokrise), so gilt dies beispielsweise für High Yield- oder Emerging Markets-Bonds nicht. Im Gegenteil, zumindest temporär kann es hier zu deutlichen Verlusten kommen.

 

Ziel eines zukunftsgerichteten Risikomanagement ist es daher, die Ertragschancen der SAA möglichst zu erhalten, aber Verluste effektiv zu begrenzen. Hierzu bieten sich verschiedene Konzepte an, die sich auch kombinieren lassen:

Komponenten eines erfolgreichen Risikomanagements

Ansatz 2 nutzt Optionen um das gewünschte asymmetrische Renditeprofil zu erzeugen, Ansatz1 eine dynamische regelgebundene Umschichtungspolitik zwischen risikoarmen und risikoreichen Anlageklassen. Die Verfahren sind seit vielen Jahren praxiserprobt und haben sich auch in der Finanzmarktkrise sehr gut bewährt. Für beide Ansätze gilt: Nur durch die disziplinierte Anwendung kann das gewünschte Risikoprofil verlässlich erzeugt werden.

 

In der Praxis wird sehr oft Ansatz 1 eine dynamische Asset Allokation eingesetzt. Wendet man einen solchen Ansatz auf die Strategische Asset Allokation oben an, so lässt sich das Verlustpotenzial in der Simulation nochmals halbieren bei ähnlicher Renditeerwartung. Möglich wird dies durch einen Risikosteuerungsansatz der neben pro- auch antizyklische Elemente umfasst. Das attraktive Renditeprofil ergibt sich u.a. durch die Möglichkeit in guten Marktphasen das Risiko gegenüber der Strategischen Allokation auch erhöhen zu dürfen um so Ertragschancen zu nutzen. Unsere langjährige Praxiserfahrung zeigt, dass dies nicht nur in der Theorie möglich ist.

Fazit

Niedrige Zinsen für "sichere" Anlagen verbunden mit den großen Unsicherheiten an den Finanz- und Kapitalmärkten zwingen zum Handeln. Dabei gilt es eine robuste Wahl und Kombination von Anlageklassen unter Berücksichtigung der neuen makroökonomischen Gegebenheiten zu treffen, um die erwarteten Renditen bei ähnlichem Risikoprofil spürbar zu steigern. Ein vorausschauendes dynamisches Risikomanagement zur effektiven Begrenzung von Verlusten in Krisenphasen und Stressereignissen  ist dabei sehr wichtig.